Angelus novus im Zentrum Paul Klee

Mittwoch, 4. Juni 2008


Letzte Nacht war ich zu Besuch im ZPK in Bern. Mein Interesse war durch die Darbietung von Carl Djerassi während den Solothurner Literaturtagen sehr stark gestiegen. Warum hatte Walter Benjamin das Bild "Angelus novus" in Paris zurückgelassen? Was hat Klee mit seinem "Angelus novus" dargestellt? Mit dieser Frage konfrontierte uns der amerikanische Wissenschaftler und Schriftsteller in Solothurn. Wie sieht das Bild im Original aus, das vor den Nazis versteckt worden ist und das schliesslich den Weg zu Adorno nach New York gefunden hat?

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Kurz vor Mitternacht komme ich ins Zentrum Paul Klee. 20 bis 30 Personen sind in den Hallen - eine familiäre Atmosphäre. Man hat genügend Platz, um sich die Bilder in der Ausstellung in aller Ruhe anzuschauen. Auch vor besagtem Bild sind kaum Besucher.

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(Paul Klee, Angelus novus, 1920, Ölpause und Aquarell auf Papier auf Karton, 31,8 x 24,2 cm - The Israel Museum, Jerusalem, Schenkung John und Paul Herring, Jo Carole und Ronald Lauder, Fania und Gershom Scholem)

Wen stellt dieser Engel dar? Mit dieser Frage gehe ich zum Konzert von Dänu Brüggemann. Nur wenige Zuhörer sind um diese Zeit noch hier.

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Im Hintergrund an der Wand steht:

"Es gibt ein Bild von Paul Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm."

Walter Benjamin

Ist dies also das Geheimnis des Angelus novus? Oder ist dieser Engel der Verkünder des neuen Deutschlands, der 1919 und 1920 als erfolgloser Maler tätig war und dann als politischer Agitator berühmt wurde? Dies jedenfalls meint Djerassi.

Komplexität der modernen Welt

Dienstag, 21. August 2007


Als ich neulich in die Autogarage eines sehr guten Kollegen gekommen bin, sehe ich zufällig die Motoren von zwei verschiedenen Autos. Ich erfahre, wie schwierig es geworden sei, an modernen Automotoren etwas zu reparieren. Ich werde Zeuge, welcher Handgriffe es schon nur bedarf, um eine einfache Birne auszuwechseln.

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Dies das Bild eines Opel Corsas, Jahrgang 2004. Der ganze Motorraum ist völlig ausgefüllt, auch für einen Mechaniker eine Herausforderung. Als Nichtfachmann lässt man da lieber die Finger davon. Um eine Birne auszuwechseln muss der Luftfilter entfernt werden. Die Elektronik ist allgegenwärtig. Bei einem Defekt gibt der angeschlossene Computer nachher Auskunft über die Fehlerquellen.

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Hier das Bild eines VW Karmann, Jahrgang 1959. Der Motorraum ist fast leer, die Batterie steht etwas abseits, sie auszuwechseln ist ein Kinderspiel. Aber auch sonst würde man als Bastler an einem solchen Motor durchaus noch auf seine Kosten kommen. Hier kann der Mechaniker noch auf seine ursprünglich Intuition vertrauen, d.h. insbesondere auf sein Gehör, wenn der Motor nicht ganz rund läuft.

Die Welt wird dauernd komplexer - nicht nur in Bezug auf Automotoren. Unsere Kinder heute wachsen in der "Welt des Opel Corsa" auf, auf diese Realität müssen wir sie vorbereiten. Die "Karmann-Welt" ist unsere nostalgische Vergangenheit. Es wäre fatal für unsere Kinder, wenn wir so täten, wie wenn Motoren heute immer noch so wie 1959 aussehen würden, oder konkreter: wenn wir sie auf eine Welt ohne Hightech, ohne Computer vorbereiten würden. Ob es ihnen und uns passt oder nicht, die Welt ist komplexer geworden, aber auch die heutigen Probleme sind komplexer geworden. Um in dieser Welt bestehen zu können, muss man anders wahrnehmen, denken und handeln können als zur "Karmann-Zeit".

Ich blogge, also bin ich

Donnerstag, 29. März 2007


Comic von http://www.blaugh.com/ - gefunden im ETH-Blog.

Wirtschaftsfaktor Philosophie

Donnerstag, 30. November 2006

Auf einer Seite von PR-Inside habe ich gelesen, dass die "Zweckdienlichkeit von philosophischer Beratung im Wirtschaftsleben (...) im Allgemeinen stark unterschätzt" werde. Endlich hat das wieder jemand bemerkt. Mit Philosophie lässt sich halt doch Geld verdienen. Aber warum eigentlich? Sie fülle "eine ganz entscheidende Lücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und praktischer Unternehmens- und Lebensführung". Das klingt ja mächtig gelehrt.
Der Philosoph bewege sich in einem "semi-therapeutischen Umfeld", sein Angebot reiche von der "genauen ethischen Auseinandersetzung für Konzerne bis zur erkenntnistheoretischen Analyse von Unternehmenskonzepten" und gipfelt in philosophischen Gesprächen mit den Einzelnen.

Da frage ich mich natürlich: Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse sind denn hier gemeint. Ich kenne wenig Philosphen, die tatsächlich Fachwissen in einer speziellen Wissenschaft mitbringen. Unternehmenskonzepte erkenntnistheoretisch analysieren scheint mir auch nicht besonders originell zu sein, bleibt die persönliche philosophische Beratung. Hoffentlich drücken sich die Philosophen dort etwas alltäglicher und klarer aus. Sonst wird die Philosophie kaum zu einem Wirtschaftsfaktor. Das schadet aber eigentlich auch nichts.


http://www.pr-inside.com/de/beratung-aus-anderer-perspektive-r1294.htm

Sind Geisteswissenschaften Wissenschaften?

Freitag, 10. November 2006

Im Blog ideologiekritik.blogsport.de habe ich einen interessanten Artikel gefunden. Ich möchte auf einige Punkte daraus eingehen.

Der einzelne Wissenschaftler braucht sich seine Lehrmeinung nicht wegnehmen zu lassen, weder von Kollegen, noch von einem besseren Argument. Es ist sein Recht, sie zu haben, aber er hat umgekehrt die Pflicht, neben seiner Lehrmeinung die des anderen gelten zu lassen.


Dies ist nicht etwa eine Forderung, die der Schreiber stellt, sondern diese Haltung, die in der heutigen Geisteswissenschaft gelten soll, wird scharf kritisiert.

Man muss sich in diesem Zusammenhang die Frage stellen, wie objektiv denn die Resultate geisteswissenschaftlicher Forschung überhaupt sind - neben der Frage natürlich, was denn überhaupt "Geisteswissenschaften" sind. Ich kann nicht für alle Geisteswissenschaften reden, ich habe mich intensiv mit der Germanisitik beschäftigt.

Vor längerer Zeit schon habe ich die Behauptung aufgestellt, dass die Germanisten, wenn sie Texte interpretieren, eigentlich nur persönliche Werturteile abgeben. In den 80er Jahren kam frischer Wind in die Germanistik, alles schien sich zu ändern. Man sprach über wissenschaftliche Standards, man kritisierte alte Autoritäten, die mit einfühlenden Methoden zu sicheren Ergebnissen kommen wollten. Mittlerweile sind wir in der Germanistik wieder bei den Hermeneutik gelandet, oder eben zurück im Pluralismus. Literaturkritiker streiten sich im Fernsehen an der Öffentlichkeit und zelebrieren diese neue Hermeneutik.

Meine Beobachtungen stützen die These aus der Ideologiekritik. Professoren wollen sich ihre Stellen nicht streitig machen wollen, Literaturkritiker wollen Fernsehstars werden. Wir haben uns in der Germanistik wieder einen Schritt weiter von den wissenschaftlichen Standards entferntm die in Naturwissenschaften seit langer Zeit selbstverständlich geworden sind.

Im Blog der Ideologiekritik werden zwei Folgen aus dieser Situation dargestellt:

Die Geisteswissenschaftler beschäftigen sich nicht mehr objektiv mit einer Sache, man streitet sich nicht mehr über ein Objekt, weil wir ja ohnehin nichts Genaues mehr wissen können.

Es "wird die Autorität des Wissens durch die Autorität der Lehrbefugnis ersetzt. Der Dozent hat als letztes Argument für seine Auffassung, dass er der Dozent ist und den Schein zu vergeben hat."Dem kann ich nur beifügen, dass auch dies mit meinen Beobachtungen übereinstimmt. Man kann sich kritisch zur Möglichkeit "geisteswissenschaftlicher Objektivität" stellen, letztendlich aber ist das Streiten über vermeintliche Tatsachen das allerwichtigste. Autorität sollte nur das bessere Argument haben. Ich werde mich in einem weiteren Blog mit dem Thema des besseren Argumentes beschäftigen.

Sind wir für unsere Handlungen verantwortlich?

Donnerstag, 18. Mai 2006

Hirnforscher und Strafrechtler streiten darüber, ob man bei Verbrechern wirklich von «Schuld» sprechen darf. Ist der Mensch wirklich frei in seinen Entscheidungen oder sind wir determiniert? Dazu gibt es ein Weltwoche-Podcast:

Weltwoche-Podcast