Vom Zettelkasten zum Kuratieren

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Früher haben wir im guten alten Zettelkasten unser Wissen abgelegt und durchsuchbar gemacht. Diese Tätigkeit hat man katalogisieren genannt. Dieser Zettelkasten war die Gedächtnisstütze. Meistens enthielt er auch nur die Verweise auf den Standort der gesuchten Informationen. Als ich mit der Arbeit am damaligen Personalcomputer zu Beginn der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts begonnen habe, gehörte neben einer Textverarbeitung ein Programm zur Katalogisierung zum täglichen Gebrauch. Da es damals noch keine solchen Programme gab, habe ich mir eines programmiert – in COBOL. Mit diesem Hilfsmittel habe ich meine Arbeiten an der Universität geschrieben. Später habe ich die aufgebaute Datenbank in die Datenbank MS Access übernommen.

Nach dem Vorbild des Zettelkastens von Niklas Luhmann wurden später spezielle Computerprogramme entwickelt, die diese Idee übernommen haben. Luhmann hatte mehr als 40 Jahre lang seine Gedanken und Überlegungen in einen Zettelkasten einsortiert, dabei hat er mehr als 90’000 Zettel erstellt. Dazu wurde an der Uni Bielefeld, dort lehrte Luhmann und dort ist auch sein Zettelkasten in seinem Archiv verwahrt, im Jahr 2015 eine Ausstellung gezeigt, wo auch eine digitale Version dieses Zettelkastens vorgestellt wurde.

Seit 2014 aber haben wir für diese Arbeit ein „neues“ Wort.

Das Verb ist ganz jung, das Nomen alt. Kuratoren kannten schon die Römer, und zwar in grosser Zahl und Zuständigkeit. Unter Kaiser Augustus waren es mit Machtfülle ausgestattete Aufsichtsbeamte, denen das Regiment über Wege und Landstrassen übertragen war und die sich darum kümmerten, dass der Tiber nicht verdreckte. Auch mit Erhaltung und Ausbesserung der Wasserleitungen, Brücken, Tore, Mauern waren curatores beauftragt. (NZZ

Was aber genau bedeutet „kuratieren“?

… Dinge auszuwählen, um sie zu exponieren und zu bewahren.

Dies die Definition der NZZ. Oder mit den Worten von Bernd Oswald:

In den vergangenen Jahren hat sich ein neuer Begriff für diese Filterfunktion herausgebildet: Kuratieren. Das Wort nimmt Bezug auf den Kurator (vom lateinischen curare = sorgen, sich kümmern) eines Museums, der die Exponate einer Ausstellung nicht nur auswählt, sondern auch über ihre Anordnung und Präsentation entscheidet.

Ein Kurator im modernen Sinn sammelt also Wissen, anstatt aber die Beiträge wie ein Journalist weiter zu verfolgen, werden sie lediglich „anmoderiert„. Im Unterschied zum alten Zettelkasten sind diese kuratierten Inhalte meistens öffentlich.

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One Response to “Vom Zettelkasten zum Kuratieren”

  1. […] Jakob schreibt in seinem Blog über das Thema „Vom Zettelkasten zum Kuratieren„. Dabei erwähnt er u.a. ein digitales Tool, das nach dem Prinzip des Zettelkastens von […]

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