Aufsatz auf dem Laptop

Heute Morgen war es soweit, die erste Klasse hat einen Aufsatz bei mir auf dem PC geschrieben. 8 Schüler haben ihren eigenen Laptop mitgebracht,weil sie lieber mit dem für sie gewohnten Gerät schreiben wollten, die andern schrieben auf einem PC im Computerraum. Die Schüler selbst hatten dies gewünscht, zuerst wollen nur wenige, dann immer mehr, schliesslich wollte nur noch eine Schülerin ihren Aufsatz von Hans schreiben. Aber auch sie schrieb dann mit dem PC. Meine Schreibbogen blieben ungenutzt.

Die Schüler mussten einen normalen Erörterungsaufsatz schreiben, u.a. zum Thema "Schule ohne Noten?".

Hier einige Eindrücke.

Aufsatz02

Aufsatz03 Aufsatz04

Was mir aufgefallen ist:

  • Es herrschte eine sehr ruhige Athmosphäre, es war sogar ruhiger als während einer normalen Aufsatzstunde.
  • Die Schüler wirkten lockerer, es gab eigentlich keinen zeitlichen Stress, die für viele sehr aufwändige Reinschrift war nicht mehr nötig.
  • Viele arbeiteten zuerst traditionell mit Notizpapier, erstellten dort grafisch ein Brainstorming. Andere machten auch diese Gliederungsarbeit bereits mit dem Computer.
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9 Responses to “Aufsatz auf dem Laptop”

  1. Das klingt sehr spannend. Es scheint ja keine Laptop-Klasse zu sein, sondern ein spezielles Arragement für eine Klasse einmal computergestützt einen Aufsatz zu verfassen.
    Wie stand ddie Fachschaft dazu? Schulleitung? Gesetzliche Regelung (Rechtschreibprüfung)?
    Das interessiert mich sehr!
    Viele Grüße aus Bayern

    • Kurt Jakob sagt:

      Es stimmt, das ist keine Laptop-Klasse. Für mich war wichtig, dass primär die Schüler einen Aufsatz so schreiben wollen.
      Die Fachschaft steht dem sehr kritisch gegenüber, teilweise sogar ablehnend. Die Schulleitung allerdings steht hinter dem Experiment. Was die Regelungen betrifft: bei uns dürfen die Schüler ohnehin den Duden als Hilfsmittel beim Verfassen von Aufsätzen brauchen, insofern ist die Rechtschreibprüfung nur eine Vereinfachung des Verfahrens. Ich werde demnächst noch mehr über diese Erfahrung schreiben.
      Viele Grüsse aus der Schweiz.

  2. Das ist auch bei uns ab der 9.Klasse so. Also für mich ist es wert, so was auch mal anzugehen und die überfällige Integration digitaler Medien in den Aufsatzunterricht mal anzupacken. Gefahr ist halt, dass das bequeme „copy and paste“ den Schreibstil verblödet. So berichten zumindest Kollegen, die in Laptopklassen unterrichten und die sinkende sprachliche Qualität der Schüler beklagen. Klar zulegen tun die Schüler natürlich in fächerübergreifenden und grundlegenden Arbeitskompetenzen.
    Ich bin gespannt auf deinen Bericht!

  3. Jakobs Blog sagt:

    Die Aufsätze, die ich in digitaler Form erhalten habe, sind korrigiert, kommentiert und wieder in den Händen der Schüler. Im Anschluss an dieses Experiment haben sich für mich folgende Fragen ergeben: In welcher Form korrigiere und kommentie

  4. Claudio Jenni sagt:

    Lieber Kurt
    Sechs Jahre ist es jetzt her, seit ich meinen Maturaaufsatz bei dir geschrieben habe. Ich glaube noch immer zu wissen, dass ich damals 24 Fussnoten gesetzt habe, um Wörter einzufüllen oder ganze Sätze umzuschreiben. Mit dem Computer wäre mir die Arbeit sicher leichter gefallen. Zudem wäre der Aufsatz sicher auch hochstehender ausgefallen, hätte ich ihn digital verfassen können. Dasselbe habe ich neulich gedacht, als ich meine Prüfungsarbeit (Zeit: 5 Stunden) im Privatrecht an der Uni Bern vor dem Abgeben nochmals gelesen habe: Inhaltlich recht gut, grammatikalisch eine Katastrophe. Mit dem Laptop wären die Sätze eigentlich sehr einfach zu korrigieren gewesen. Aber wir schreiben noch mit Kugelschreiber. Hätte ich einen Laptop zur Verfügung gehabt, hätte ich auch ohne Hemmungen sagen können, bei wem ich damals mein Handwerk gelernt habe. Ich bin froh, muss man Kommentare zu Blogs nicht handschriftlich schreiben. Sonst hätte ich keinen verfasst.

    • Kurt Jakob sagt:

      Lieber Claudio

      Es freut mich sehr, dass ich auf diesem Weg wieder etwas von dir höre. Ja, ich kann mich an deinen Aufsatz erinnern. Viele Schüler haben gerade bei längeren Arbeiten das Problem, dass sie mehrmals an ihren Texten Veränderungen machen. Bei handschriftlichen Texten sieht das dann meist schlimm aus.
      Das Schreiben mit Laptop ist in dieser Hinsicht ganz sicher eine wesentliche Erleichterung.

      Dass ihr an der Uni eure Prüfungsarbeiten noch von Hand schreiben müsst, hat wohl mit der Angst zu tun, dass ihr unerlaubte Hilfsmittel verwenden würdet. Dies ist tatsächlich ein Problem. Neben Rechtschreibehilfen kann man natürlich beliebige andere Hilfsmittel verwenden, wenn man den eigenen Computer benützen darf.

      Ich würde mich übrigens freuen, dich wieder einmal zu sehen. Du kannst mich jederzeit mal im Unterricht besuchen.

      • Claudio Jenni sagt:

        Das Hauptproblem ist sicher die Möglickeit, unerlaubte Hilfe von aussen in Anspruch zu nehmen. Alle anderen Hilfsmittel sollten aber meiner Meinung nach eher gefördert werden. Schliesslich werden diese in der Praxis auch angewendet. Ich bin jedenfalls optimistisch und denke, dass die Zukunft noch viele interessante Veränderungen bieten wird. An der Kanti Solothurn ist dies, wie ich in deinem Blog mit Freude feststellen konnte, ja schon etwas früher eingetreten.
        Um auf deine Einladung zurückzukommen: Vielen Dank, ich werde das Angebot gerne nützen.
        PS: Die ersten ca. fünf Zeilen dieses Kommentars habe ich wieder gelöscht und neu geschrieben.

  5. Dirk sagt:

    Ich bin eigentlich nicht dagegen, dass Schüler in jedem Unterricht Computer nutzen. In USA ist das schon längst der Alltag, dass Schüler Tests etc auf dem PC schreiben. Auch wird heutzutage der Umgang mit Computer immer mehr geschätzt. Schließlich kann man sich viel Arbeit mit einem PC sparen.

    Aber wenn Kinder schon so früh und vor allem ständig Zeit am Computer verbringen, ist das gesundheitsschädlich. Ich denke die Sache soll überdacht werden.

  6. […] Aufsätze, die ich in digitaler Form erhalten habe, sind korrigiert, kommentiert und wieder in den Händen der Schüler. Im Anschluss an dieses […]

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